| Tierschutz mit Gefühl UND Verstand (Vortrag von Dr. Erich Loserth vor Jägern und Landwirten) |
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Meine lieben Zuhörer Die Wichtigkeit dieses Themas ist mir im vergangenen Jahr geradezu zwangsläufig aufgestoßen. Kühe und Rehe namens Yvonne sehe ich zur Zeit überall. - Wenn wir uns überlegen, welcher Teil der Überschrift der wichtigere für den Tierschutz ist, - ob mehr die Emotion oder mehr die Ratio - von Bedeutung ist, dann sag ich mal gleich vorneweg das Wichtigste an meiner Themenüberschrift ist das UND. Am Anfang werde ich nun versuchen Euch geistige und entwicklungsgeschichtliche Hintergründe aufzuzeigen, um dann auf verschiedene Situationen einzugehen, die sicher in einer informativen Diskussion enden können. These und Antithese, Die geistige und soziale Entwicklung der Menschheit läuft zwar nicht immer, aber doch über große Strecken dialektisch, d.h. der Mensch entwickelt zu einem Problem eine Meinung, eine sog. These, ruft damit automatisch Gegenmeinungen , sog. Antithesen, hervor. Aus der Diskussion von Thesen und Antithesenvertretern soll dann eine "Synthese" als vernünftiges Ergebnis hervorgehen, die als Basis eines geistigen und sozialen Fortschrittes tauglich ist. Allgemein haben Menschen die Eigenheit an ihren Standpunkten beharrlich festzuhalten. In Extremfällen ergeben sich daraus z.B. 30-jährige Kriege, um am Ende festzustellen, dass man eigentlich ja fast die gleichen Anschauungen, den gleichen Glauben hatte, und dass die ganze Auseinandersetzung unnötig war. Hier und heute verstehe ich mich weder als Vertreter von These noch Antithese, sondern heute wollen wir gemeinsam den Versuch der Synthese, d.h. der weiterführenden mentalen Einstellung unternehmen. Auf allen Gebieten gibt es gute und weniger gute Lösungen, ob im Jagdbetrieb, Naturschutz, Tierschutz, Politik, Medizin oder sonst wo. Wenn einzelne Aktivitäten unpassend ausfallen, dann darf trotzdem nicht gleich das ganze Tätigkeitsfeld abgelehnt und verteufelt werden. Wie nun Tierschutz ausfällt, hängt weitgehend davon ab, als was wir Tiere definieren, als beseelte fühlende Wesen oder als unbeseelte gefühllose Sachen Entwicklungsgeschichte In einfachen Naturvölkern und Jägergesellschaften wurden Tiere immer als Mitgeschöpfe und beseelte Wesen empfunden. Schamanen und Medizinmänner versuchten die Tiere vor der Jagd zu beschwören, nach der Jagd beschwichtigte man den Geist des getöteten Tieres mit Opfergaben. Die Geisterwelt der Frühzeit mit ihren Mythen und Sagen barg letztlich aber auch viel Bedrohliches und Unheimliches, so dass mit der zunehmenden geistigen Entwicklung des Menschen schon vor 2 bis 3 -tausend Jahren mittels Philosophie und Religionsgründungen versucht wurde, klarere Strukturen in die Welt der Seelen und Geister zu bringen. Im fernen Osten entwickelten Buddhismus und Hinduismus ihre Vorstellungen von Seelenwanderungen und Gleichwertigkeit von Mensch und Tier, im alten Ägypten wurden Mensch und Tier als Partner gesehen, im Glauben der Juden hatten die Tiere das Recht auf Sabbatruhe und der Besitzer die Pflicht sich um die Tiere zu kümmern. Von den großen griechischen Philosophen des Altertums --(Sokrates, Platon, Aristoteles) -- entwickelte Platon (bekannt vielleicht vom Begriff der platonischen Liebe) seine sog. Ideentheorie, die im wesentlichen besagte, dass jedem Geschöpf, somit auch jedem Tier eine Idee, eine geistige Vorstellung des Schöpfers zugrunde liegt und damit jedes Lebewesen ein geistiges Pendant im Sinne einer Seele haben muss. Der bedeutendste Schüler von Platon, Aristoteles, der einflussreichste Philosoph und Wissenschaftler des Altertums lehnte die Seelentheorie seines Lehrmeisters ab. Seiner Meinung nach hatte nur der Mensch, als Krone der Schöpfung, eine Seele. Aristoteles, der bedeutendste Philosoph und Wissenschaftler der Griechen, wurde richtungweisend für die wissenschaftliche und geistige Entwicklung des Abendlandes, fast bis in unsere Zeit. Hinzu kam die erfolgsorientierte Einstellung der über Jahrhunderte herrschenden Römer, die Tiere als Sache und Besitz betrachteten. Die Einstellung, Mensch als Krone der Schöpfung, alleiniges Wesen mit Seele, wurde auch vom Christentum übernommen, wie von Aristoteles deklariert und von den Römern vorgelebt. Vom Altertum übers Mittelalter bis in unsere Zeit gingen die Vorstellungen hin und her, wie man Tiere klassifizieren sollte. Die Vorstellung der Seelenlosigkeit von Tieren wurde oft als Rechtfertigung für grobe und brutale Misshandlungen herangezogen. Der Philosoph Descartes soll gar erklärt haben, -- Tiere seien nichts anderes als Maschinen, das Schreien eines Tieres sei nichts anderes als das Quietschen einer schlecht geölten Maschine. -- Nun gut, von diesen brutalen Vorstellungen sind wir heute wohl weit weg. Philosophie, Religionen und Theorien hin oder her, ich meine, wir können uns vom gesunden Menschenverstand her problemlos darauf einigen, dass Tiere auch empfindende beseelte Wesen sind. Wie weit auch die Unterschiede zum Menschen sein mögen, es ändert nichts an der grundsätzlichen Aussage. In welchen Situationen und Rollen begegnen wir nun den verschiedensten Tieren ? Wildtiere: jagdbare Tiere, nicht jagdbare Tiere Haustiere: Nutztiere für Arbeiten oder für Lebensmittelgewinnung, spezielle Einsätze (Schutzhund, Jagdhund, Reitpferd) Lieblingstiere: Während die Rollen von Wildtieren und Haustieren seit Bestehen der Menschheit in ihrer Bedeutung und Funktion definiert waren und sind, ist die Tierliebhaberei in ihrer heutigen Art und Dimension völlig neu. Tierliebhaberei: das sind Tiere als Spielzeug, Partnerersatz, Kinderersatz, gegen Einsamkeit, Depressionen, -- die innere Bindung der Tierhalter an ihre Tiere ist natürlich sehr groß, da diese Wesen vermenschlicht werden im gesamten Tierleben, bis hin zum Begräbnis am Tierfriedhof. Die Tiere bekommen Menschennamen und spielen die Rolle von Menschen in unserer gestörten Sozialstruktur. Während in früheren Zeitepochen und noch in allen Schwellenländern dieser Erde auch heute noch das Verhältnis Mensch zu Tier von Wildtier, Haustier und Nutztier bestimmt war, dominiert heutzutage bei uns in Europa, im Land des Luxus, das Beziehungsgefüge Lieblingstier zu Mensch. --- Kühe, Schweine, Hühner oder Wildtiere aller Art erlebt der moderne Mensch kaum mehr, Streicheltiere dagegen täglich. Ein junges Ehepaar, kinderlos, mit zwei Rassehunden, ist ein gängiges Bild in der Gesellschaft. Wenn ich aus dem Dorf Zangberg rausfahre, dann spielen nicht Kinder auf der Straße, nein, Hunde werden Gassi geführt. Das Lieblingstier als Sozialpartner, als Objekt für einen vermissten, aber dringend benötigten Körperkontakt, Ziel für Brutpflege, als Gesprächspartner, der nie widerspricht u.s.w. Ganz klar, dass dies völlig neue Verhältnisse sind, die auf die Verhältnisse von Wildtier und Natur, Haustier und Nutztier überhaupt nicht übertragbar sind. Der Lieblingstierhalter verurteilt oft die Jagerei und die moderne Landwirtschaft, aber er braucht mehr denn je die moderne Landwirtschaft, um sich sein Viecherl überhaupt leisten und es ernähren zu können. Eine Million Hunde in Deutschland fressen übers Jahr mehr Fleischprodukte als die Bevölkerung eines mittleren Kleinstaates. Allen --- Tieren steht nun ein Leben zu -- ohne unnötige Qualen und artgerecht, ohne triftigen Grund ist es nicht erlaubt, ein Wirbeltier einfach zu töten. Was stört nun das glückliche Leben eines Tieres? Kurz gesagt: Die nicht artgerechte Haltung und das Getötet werden Die artgerechte Haltung ist ein weitläufiges Diskussionsfeld, da für jede Tierart ganz unterschiedlich, hauptsächlich von wirtschaftlichen Zwängen gesteuert und von menschlichen Interpretationen und Fehlinterpretationen begleitet. Die häufigsten Fehlerquellen, die zu nicht artgerechter Haltung führen, sind die Vermenschlichung von Tieren, ein Verhalten, das vor allem in der Ebene der Lieblingstierhalter dominiert, oder aber eine rein renditeorientierte Haltung. Was ist nun der eingreifendste Störfaktor für das Leben aller Lebewesen, das ist ganz einfach der Tod! Am Töten von Tieren stören sich Tierrechtler am meisten. Wie man mit dem Sterben umgehen soll, ist heute wie früher immer noch problematisch und gerade jetzt wieder einem heftigen Wandel unterlegen. Den Tod als Grundbedingung des Lebens zu sehen, so wie Schatten auch nur dort ist, wo es Licht gibt, tut man sich schwer. Hat doch alles, was nicht stirbt, nie gelebt. Der Mensch hat seine Seele ganz einfach als unsterblich deklariert und meint auf diese Weise das Problem für sich gelöst zu haben. So ganz sicher ist er sich aber doch nicht, trotz aller Philosophie und Religion. Die Unlösbarkeit der Fragen um Religion, Seele, Unsterblichkeit, Tod usw. mittels Verstand haben schon die alten Griechen erkannt und einfach ausgeklammert. Sie sagten, wenn es einem gut geht, rückt das Problem des Sterbens in weite Ferne, spielt also keine Rolle und wenn man gestorben ist, sozusagen für einen Toten spielt der Tod auch überhaupt keine Rolle, bleibt der Zeitraum unmittelbar vor dem Sterben als schwierig und der sollte möglichst kurz sein. So die Lebensweisheit der Epicuräer. Wir verlassen nun die schwierige Ebene der Philosophie und geisteswissenschaftlichen Hintergründe und wenden uns den praktischen Beispielen zu. Jäger und Wildtiere Als erstes gehen wir gleich der Frage nach, wie gehen wir Jäger mit Tieren um? Unser Job ist es, die sog, jagdbaren Tiere zu hegen und für einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu sorgen, wobei die berechtigten Anliegen von Land- und Forstwirtschaft berücksichtigt werden müssen. Die bei Nichtjägern existierenden, wie Reflexe engrammierten Vorstellungen, ein Jäger sei der Mensch, der die armen Tiere erschießt sind so falsch wie eine eine Vorstellung falsch wäre, dass z.B. ein Gärtner nur Rüben aus der Erde reißt oder nur Salatköpfe abschneidet. Nach Manier unserer Jägervorfahren betrachten wir die Wildtiere keinesfalls als Sachen, sondern als sensible Mitgeschöpfe. Das zeigt sich auch in vielen Normen des sog. jagdlichen Brauchtums, auf die ich hier gar nicht eingehen will. Der Begriff Management kommt aus der Wirtschaft und tendiert dazu die Wildtiere wieder wie Sachen zu regulieren. Wir Jäger freunden uns nicht mit dem Begriff Wildtiermanagement an, der Begriff wurde von Forst- und Holzwirtschaft eingeführt. Tierschutz heißt für uns, sowohl die Einzeltiere als auch die gesamte Population zu hegen. Die Fürsorge beginnt z.B. bei der Geburt jedes Rehkitzes oder schon beim Gelege eines Bodenbrüters. Wir retten nicht eine Yvonne medienwirksam, wir retten viele Tiere vor dem Mähtod, vor Verletzungen durch Verkehrsunfälle, vor Krankheiten, vor Hunger in Notzeiten, vor unsinnigen Beunruhigungen, vor wildernden Hunden u.s.w. Zu jedem Teil meiner Aufzählung könnte ich ausführliche Berichte geben. Ähnlich den Vorstellungen der Epicuräer, der vorhin genannten griechischen Schule, versuchen wir Jäger grundsätzlich. den Wildtieren ein anständiges und artgerechtes Leben zu ermöglichen. Da der Wildbestand den landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Verhältnissen angepasst sein muss und natürlich auch um wertvolles Wildbret zu gewinnen werden die Tiere erlegt und verwertet. Der Tod kommt mit dem Schuss, bevor das Tier den Schuss überhaupt hört, die Kugel fliegt wesentlich schneller als der Schall. Bei richtiger Auswahl bleibt damit ein gesunder und nicht überalterter, artenreicher Wildbestand erhalten. Überlässt man die Wildbestände sich selbst, ohne jagdliche Eingriffe, dann kommen als Todesursache z.B. Krankheiten, Verhungern, Tod durch Raubtiere oder Verkehrsunfälle in Frage, wobei all diese Formen des Sterbens meist brutaler sind als das plötzliche erschossen werden, auch wenn die meisten davon sog. natürliche Todesursachen sind. Die Natur geht nicht sanft und dankbar mit den Lebewesen um. Ein Hase mit Pfotenbeschwerden, der 10% weniger schnell läuft als die normale Hasengeschwindigkeit, lebt nicht lang, den frisst der Fuchs, und ein Fuchs, der zu langsam ist, magert auch ab und kommt nicht über den Winter. Wildtierpopulationen, sich selbst überlassen, haben die größte Verlustquote in der Jugend, beginnend schon unmittelbar bei der Geburt, in den ersten Lebenswochen allein schon oft durch Beunruhigungen, Kälte, Nässe, Krankheiten, Raubwild, so dass bis zu 80 % des Nachwuchses in den ersten Wochen und Monaten des Lebens sterben. Der jagdliche Eingriff ins Leben des Wildtieres ist wesentlich schonender und schneller, nachdem die Tiere wenigstens eine gewisse Zeit in Freiheit gut gelebt haben. Ziel der Natur ist es nicht ein hohes Lebensalter zu ermöglichen, alte schwächliche Tiere werden in der Natur nicht in Gnaden weitergepäppelt. Sie sind bestenfalls Nahrungsreserven für Raubtiere oder Parasiten. Nur durch ausreichende Bejagung bleibt der Bestand jung und gesund. Die Welt würde zum Horrorfilm, wenn neben einer extrem überalterten, kinderlosen Menschheit noch massenweise alte, kranke und sieche Tiere rumlaufen würden. Das artgerechte Leben der Wildtiere hat für uns Jäger höchste Priorität und das ganze Konglomerat von Jagdgesetzen und ungeschriebenen Verhaltensnormen soll hauptsächlich die Jagdausübung fürs Wildtier so schonend wie möglich machen. Nun zur Landwirtschaft modern oder einfach - wie wollen wir's haben ? An die Landwirtschaft werden in jeder Beziehung höchste Leistungsansprüche gestellt. Nur noch 3 % der Bevölkerung arbeiten bei uns in der Landwirtschaft und versorgen die Bevölkerung mit hochwertigen, vielfältigen Nahrungsmitteln. Damit werden 97 % der Bevölkerung frei gestellt für andere Tätigkeiten in Industrie, Handwerk, Forschung , Lehre, Medizin und unendliche Variationen von Freiheit und Luxus. Die Leistung in der Landwirtschaft ist ein Eckpfeiler unseres Reichtums, nicht die überquellende, unnötige Bürokratie oder das geldvernichtende Bankunwesen. Nur 15 % unserer Arbeitsleistung ist nötig, um unsere Lebensmittel fürs tägliche Leben zu erwirtschaften. So relativ billig waren Lebensmittel noch nie. Früher musste man essen , was auf den Tisch kam, was in der Not halt noch zu kriegen war, heute essen wir nur noch das ,was uns schmeckt, den Rest werfen wir in den Müll, in Europa täglich ungefähr 1kg pro Person. Was die Landwirtschaft produziert, bestimmt der Verbraucher. Unsere Landwirtschaft produziert Wunschkost für uns und auch für unsere Lieblingstiere. Den Landwirten werden die Preise von den Handelsketten diktiert. --- Das alles sollte man sich erst mal richtig vergegenwärtigen bevor man kritisiert. Im Gegensatz dazu, in armen Ländern ohne moderne Landwirtschaft, dort setzen die Menschen oft fast 50 bis 80 % ihrer Arbeitskraft für den Erwerb von Lebensmitteln ein, jedoch oft für eine nur monotone, einseitige Mangelernährung von zwangsläufig rein vegetarisch oder aber bis zu fast 100% reine Fleischernährung. Beispiele aus anderen Ländern Z.B. In Afrika, Tansania und Kenia gibt es die Massai, Rinderzüchter in den riesigen Steppen, sie leben von Fleisch, von Rinderblut, indem sie die Rinder mit einem Pfeil zur Ader lassen und Milch. Weder Rinder noch die Menschen sehen glücklich aus. Die Rinder mager , klein und ausgehungert, man braucht vielleicht 10 Watussirinder der Massai um die gleiche Menge Fleisch zu bekommen wie von einem Bayerischen Fleckvieh. Die Menschen der Massai sind groß und stattlich, allerdings meist mit einem grimmigen vom Kampf ums Überleben gezeichneten Gesichtsausdruck. Überweidete ausgetrocknete Steppen, mageres Vieh, von dem in Dürrejahren 30 bis 50 % des Bestandes an Hunger und Durst eingehen. Insgesamt kein erfreuliches Dasein, weder für Mensch noch für die Tiere, der Bestand wird falsch reguliert und nicht der Vegetation angepasst. - In den an die Steppe angrenzenden Paribergen lebt der Stamm der Paris vom Maisanbau. Dort gibt es beim Frühstück Maisbrei, mittags Maisbrei und am Abend Maisbrei. Tiere sieht man in den Paribergen kaum, weder Haustiere noch Wildtiere. Ein anderes Beispiel, wo Tiere in größter Freiheit leben - die Mongolei Die Mongolei produziert aus klimatischen Gründen kein Getreide, kein Obst, kein Gemüse, keine pflanzlichen Nahrungsmittel. In den riesigen Steppen besteht Landwirtschaft nur aus nomadisierenden Tierherden, Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen, keine Schweine oder Hühner. Der Mongole ernährt sich fast nur von Fleisch, er geht sehr liebevoll und freundlich mit seinen Tieren um, sie sind die Lebensgrundlage. Jedoch es existieren keine Ställe, da keine Bäume wachsen, Winterfutter ist das restliche Gras in der Steppe, es gibt kein Heu, keine Silage, im Sommer eine Hitze von 40 °C im Winter Minusgrade von 40 °C mit heftigen, eisigen Winden, so dass manchmal 30-40 % der Herden umkommen, Alles in allem sehr naturbelassen, aber kein Honigschlecken. Dagegen ! Die moderne Landwirtschaft überlebt nur mit Gewinn, wenn die Verlustrate von Nutztieren sehr niedrig gehalten wird. Dazu ist ein gewisses Maß von Wohlbefinden, guter Ernährung, gesunder Haltung einfach erforderlich. Zweifellos können noch viele Verbesserungen eingeführt werden, aber dazu braucht der Landwirt Geld und Arbeitskräfte,-- weder für Menschen noch für Tiere gibt es Komfort kostenlos. Komfort ist teuer, er wird von den Menschen erarbeitet, die heutzutage dank der modernen Landwirtschaft Zeit übrig haben, weil sie nicht mehr mühsam, per Handarbeit, im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot verdienen müssen. Die moderne Landwirtschaft produziert für unsere Wunschkost und - für die Wunschkost unserer Lieblingstiere, für die Tierliebhaberei in allen Variationen. Wir brauchen mehrere 100tausend Tonnen Fleischprodukte für Hunde- und Katzenfutter, von Schlachttieren, die auch in Stallungen lebten und die auch zum Schlachthof transportiert wurden. Diese Edelprodukte werden im Fernsehen beworben, -- frisches Fleisch - frische Leber für Hund und Katz, in den langen Regalen der Supermärkte zu kaufen. Stellt Euch vor, diese Reklame sieht der Afrikaner, der täglich seinen Maisbrei lutscht, Fernsehen gibt es nämlich im hintersten Busch. An seiner Stelle würde ich auch Richtung Europa laufen. Wie läuft nun Tierschutz und Tierliebhaberei ? Zunächst ein Beispiel, das als Vergleich dienen soll. Wenn z. B. ein Mensch sich verliebt, dann ist das eine sehr schöne emotionale Angelegenheit, die den einzelnen mehr oder minder erfasst, ihm den Verstand raubt. Jedenfalls hat das sich Verlieben überhaupt nichts mit Humanismus oder mit einer grundsätzlichen Menschenfreundlichkeit zu tun. Der Verliebte beschäftigt sich mit sich selbst, der Humanist mit dem gerechten Umgang von allen Menschen. Genauso wenig hat Tierliebhaberei etwas mit dem grundsätzlichen Tierschutz zu tun. Tierliebhaberei ist kein Tierschutz, sie ist emotional gelenkt und dient den einzelnen Menschen, - echter Tierschutz ist sicher auch emotional induziert, unterliegt aber optimaler Weise ständig einer Kontrolle des Verstandes. Rein emotional gelenktes Tun läuft sehr oft in die Irre, und zwar derart, dass das ursprüngliche, wohlwollend angestrebte Ziel nicht mehr erreicht wird. Ich werde noch genügend Beispiele bringen. |
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| Tierschutz / Tierliebhaberei - Interpretationen oder Fehlinterpretationen (Vortrag von Dr. Erich Loserth vor Jägern und Landwirten) |
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Beispiele aus dem Leben, - gut gemeint ist nicht immer gut Mein erster Wildunfall im eigenen Revier Eine Winternacht, Temperatur um 0°C, 2 Uhr morgens, der Boden gefroren, nasser Schneeregen-- - ein Anruf, Wildunfall auf der Straße nach Lohkirchen - Ich starte zum Unfallort,--dort stehen schon mehrere Autos und Leute, im rauen Acker, ca. 30 m von der Straße entfernt liegt ein Reh mit erhobenem Haupt und versucht hoch zu kommen, offensichtlich ist es schwer verletzt mit Beckenbruch. Neben dem Reh steht eine verängstigte, sympathische, junge Dame mit einem geöffneten Regenschirm, den sie übers Reh hält, damit das verletzte, wirklich arme Tier nicht auch noch vom Regen nass wird. Sie sagt zu mir, "wir brauchen dringend einen Tierarzt, das Reh ist verletzt". Die Frau war absolut benevolent, tierfreundlich, sicherlich ein sehr sensitiver Charakter, wie man sich eine Frau nur wünschen kann. Allerdings war ihr Verhalten in der geschilderten Situation--aus Unwissenheit-- nicht nur unpassend, sondern in hohem Maße kontraproduktiv. Das Reh war schwerst verletzt, diese Tatsache hat sie richtig erkannt. Sich mit dem Regenschirm daneben zu stellen, um es vor Regen zu schützen war Tierquälerei. Das Reh empfindet den Menschen als Bedrohung und kann nicht unterscheiden, ob die anwesende Person gefährlich oder ungefährlich ist. Wenn sich der Feind des Rehs in diesem Fall noch neben das verletzte Reh stellt, und hin und her tritt, dann kommt zu den körperlichen Schmerzen noch maximaler Psychostress, der wiederum ständige frustrane Fluchtversuche mit vermehrten Schmerzen induziert. .-Meine Wenigkeit war dann der Böse, der das Reh erlegt und dadurch erlöst hat. Tierschutz durch Füttern Tierquälerei durch falsches Füttern, oder durch Füttern zum falschen Zeitpunkt Diesem Thema haben wir uns, soweit es die Jagd betrifft, im letzte Jahr ausführlich, einen ganzen Abend lang gewidmet. Ich will es nicht wieder aufwärmen. Die Problematik, falsches Füttern oder zum falschen Zeitpunkt, gibt es aber nicht nur bei den Jägern. Vogelfreunde füttern z. B. ihre Lieblinge mit bestem, teuersten Futter durch den Winter. Die Futtermittelhändler verkaufen tatsächlich lastwagenweise Nüsse, Körner , Flocken bester Qualität. Aber viele tierliebe Menschen füttern ihre Vöglein weit über die Notzeit hinaus, weil die Vöglein immer noch weiter zum Futterhäuschen kommen, mit der Folge, dass die Vögel auch ihre erste Brut mit Körnerfutter füttern. Was grundverkehrt ist, die Jungvögel brauchen Insektennahrung. Mit Körnerfutter sterben z.B. Jungmeisen in den ersten Tagen. - Guat gmoant is net oiwei guat - Artgerechte Fütterung von Hund und Katz lässt auch sehr oft zu wünschen übrig. Trotz bester, von der Futtermittelindustrie angebotener Möglichkeiten, sehe ich als Mediziner so manchem Hund auf der Straße an, dass vermenschlicht, falsch gefüttert wird. Beispiele von Tierliebhabern und Tierrechtlern Beispiel: Ein Tierrechtler lehnt ja das Töten von Tieren grundsätzlich ab, wird zum Vegetatier und holt einen Hund aus dem Tierheim zu sich, um selbigen zu retten. Falls er nicht zu den strengen Veganern gehört, dann ernährt er sich von pflanzlicher Kost und von Milch, Eier, Käse. - Milch und Käse bezieht er von Kühen, die bekannterweise nur dann Milch geben, wenn sie jährlich ein Kalb kriegen, das dann entweder als Kalb oder als Masttier geschlachtet werden muss, ansonsten bekämen wir eine massive Überpopulation an Rindern. Von einer Kuh Yvonne bezieht niemand Milchprodukte. Auch Gut Aiderbichl mit seiner Gastronomie braucht zur Bewirtung der Millionen Gäste mit Salat-Käse-Variationen die Produkte der normalen Milchkühe. - Und gelänge es, viele Menschen von dieser Art Vegetarismus zu überzeugen, bei Verdoppelung des Milch-Käse-Konsums würde das eine Verdoppelung der Milchkuh-Haltung mit Verdoppelung der Schlacht-Kälberzahl bedeuten. Vegetarismus dieser Version senkt keinesfalls die Zahl der Schlachtungen. Der gerettete Hund, wie viel Fleischprodukte braucht ein Hund ? Wenn ich z.B. ein Unfallreh habe, welches nicht für den Verkauf verwendet werden darf, dann wird selbiges von mir enthäutet und als Hundefutter verwertet. Mein Kleiner Münsterländer hat ein normales Reh innerhalb einer Woche problemlos verzehrt. Der Tierliebhaber kauft Hundefutter oder Katzenfutter pelletiert oder in Dosen, hergestellt aus hundert tausenden von Schlachttieren, die auch in Stallungen standen, die auch auf Tiertransportern befördert wurden. Gesammelt wird sogar für arme Straßenhunde in fernen Ländern. Dieses Retten von solchen Tieren induziert das Abschlachten einer X-fach höheren Zahl von anderen Lebewesen. Tierliebhaberei in Form von diesem Tierecht führt zu unterschiedlichen Klassen von Tierschutz. Wie viele Tiere muss z.B. Herr Aufhauser für Hundefutter schlachten lassen, um seine 10 Hunde in seinem Haushalt zu füttern. Hier belügen sich Tierliebhaber selbst. Rettet die Hunde von Kiew Tierschutz gegen Massentötung, heißt zur Zeit ein Slogan Um was geht es?? Um streunende herrenlose Hunde in und um die Hauptstadt der Ukraine. Ärmste Hunde fürwahr, die von Dreck, Ungeziefer und Kot von anderen Tieren leben, sie sind ein Reservoir von Parasiten und Krankheitserregern, die auch andere Hunde, Tiere und Menschen gefährden. Woran stirbt ein solcher herrenloser Straßenhund? an Hunger, Erfieren, Krankheiten , -- welche Krankheiten, -- nur Beispiele: Tollwut-, Räude- (bei beiden Erkrankungen tritt der Tod erst nach einem langen Leidensweg ein) Staupe u. viele Krankheiten gegen die ein Hund bei uns geimpft wird. Wie viele herrenlose Straßenhunde würden hier im Dorf toleriert? Keiner ! Es ist nicht sinnig den Bewohnern von Kiew aus unserer Wohlstandsposition heraus Dinge zuzumuten, die wir selbst mit guten Gründen niemals akzeptieren würden. Ein künstliches Erhalten einer ausgeuferten Tierpopulation mit Futter von Schlachttieren aus Deutschland vermehrt das Leid der ganzen Population. Wie sieht's nun mit dem strengen Veganer aus, der aus Tierrecht-Gründen auch den Konsum von Milch, Käse und Eiern ablehnt. Er ernährt sich nur von pflanzlicher Kost, aber auch er braucht jemanden, der diese Pflanzen anbaut und jemanden der diese Pflanzen vor Zerstörung bewahrt. Der Landwirt baut an, der Jäger als Teil der Landwirtschaft verhindert, dass Wildschweine, Rehe und Hirsche u.s.w. die Ernten vernichten. Der Veganer geht stillschweigend davon aus, dass ein anderer für ihn Kraut und Rüben schützt, sprich Wildtiere tötet. Beispiel von Aiderbichl Das Lieblingsschwein von Herrn Aufhauser, Lieselotte, am Abend bekommt das Schwein seine Lieblingsspeise, einen Kaiserschmarrn, Wie viele Käfighühner braucht man, um dem Schwein täglich einen Kaiserschmarrn servieren zu können. D.i. Tierliebhaberei für das eine ! Reklame-Schwein !, kein Tierschutz !! und gleichzeitig werden vermutlich die Hühnerhalter verteufelt, von denen man die Eier in Massen bezieht. Der Beispiele kann ich noch viele schildern, vom Hund, der nix duat, von den vielen Katzen, die ihren Spaß in der Natur haben, von wildernden Hunden, die Rehe hauptsächlich dann erwischen, wenn sie in einen Zaun gerannt sind. Wildernde Hunde sind eine Geißel für Wildtiere. Diese Rehe werden oft bei lebendigem Leib angefressen, da Kopf und Hals im Zaun stecken und der Hund hinten bei den zappelnden Hinterschlegeln anfängt zu reißen. Der wildernde Hund hat keinen Hunger, sobald die Beute leblos da liegt, lässt er selbige liegen und sucht sich ein anderes Tier, das mehr Spaß für ihn bietet. Tierliebhaberei und Tierschutz brauchen sich nicht auszuschließen, Unterschiede sollen uns aber klar werden und Ziele des Tierschutzes müssen analysiert und frei von überschäumenden Emotionen definiert werden. Vor allem ist es Aufgabe des Tierschutzes sich den Blick fürs Ganze zu bewahren und nicht den Fokus auf Lieblingstiere zu richten, weil selbiges in der Gesellschaft gut ankommt. Wirtschaftlich tragende Strukturen zu erarbeiten, für die Tierhaltung, die ein anständiges Dasein für Tiere ermöglichen, das wäre eine Aufgabe des Tierschutzes, -- Verhaltensnormen von Tierliebhaberei auf die Wildtier- oder Nutztierhaltung zu übertragen ist weltfremd und nicht handlbar. Sonderaktionen, Yvonne oder Schwein Lieselotte, sind kein Tierschutz, sie sind medienwirksame, gedankenlose aber einträgliche Events. Diese Events sind nur zum Teil Dummheit, nämlich die Dummen sind die zahlenden, spendenfreudigen Tier- Paten. Diese Events richten sich konsequent an die Population der einsamen, spendenfreudigen Tierliebhaber, --sie kosten aber auch uns viel Geld !! Spenden für diesen Pseudotierschutz werden auch steuerlich geltend gemacht, damit zahlt die Allgemeinheit kräftig mit. Zusammenfassend will ich sagen:
Ein Paradies auf Erden wird es nicht geben, wo der Löwe mit der Gazelle friedlich auf der Blumenwiese ruht, der Löwe wäre kein Löwe mehr. Auch meine heutige Analyse ist keine unumstößliche Wahrheit, vieles ist nur unter bestimmten Voraussetzungen gültig. Es soll ein Schritt sein, der weiterführt, der zum Einsatz von mehr Ratio beim Tierschutz auffordert, um das Abdriften in emotionale Irrwege zu vermeiden. Aiderbichl ist m.E. nicht der Tierschutz der Moderne, es ist eine Sackgasse. Je emotionaler ein Mensch agiert, desto mehr ist der Verstand blockiert, nicht nur beim Tierschutz - das ist ein allgemeines Phänomen, das wir überall beobachten können, und -- ich bin selbstkritisch genug - sicherlich oft auch bei uns Jägern. |
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