Die Naturschutz-Projekte
Das Thalhamer Moos ist ein Niedermoor in der Flussaue der Isen, das sich durch eine kleinbäuerliche Landwirtschaft zum strukturreichen Biotopkomplex entwickelt hat. Früher baute die örtliche Bevölkerung Torf ab und nutzte die sauergrasreichen Wiesen zur Gewinnung von Einstreu für die Ställe. In den letzten Jahrzehnten fielen die nassen Kernbereiche zunehmend brach.
Der damals zur Entwässerung angelegte Mooskanal und die ihn begleitenden Feuchtbiotope bilden ein zusätzliches Element der Biotopvernetzung im Isental.


Überregionale Bedeutung im Biotopverbund
Das Isental besitzt als voralpine Ost-West-Achse eine herausragende Funktion im Biotopverbund Bayerns. Im Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) des bayerischen Umweltministeriums wird dies besonders auch für das "Thalhamer Moos" hervorgehoben. Viele seltene und gefährdete Arten sind hier zu finden. Einige davon sind prioritäre Arten der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Seit 2004 ist das Thalhamer Moos FFH-Gebiet.

Leitbild und Zielarten
Durch die fehlende Streuwiesennutzung verbuschte das Moorgebiet in den letzten Jahrzehnten zunehmend. Sich immer weiter ausdehnende Weidengebüsche haben zusätzlich einen entwässernden Effekt, so dass die spezialisierten Tier- und Pflanzenarten immer weniger geeignete Flächen zur Verfügung haben. Das Thalhamer Moos soll seinen ehemaligen, offenen Charakter wieder weitgehend zurückerlangen. Ein Mosaik aus Wiesenflächen unterschiedlicher Bewirtschaftungs- bzw. Pflege-Intensität mit einem räumlichen und zeitlichen Wechsel ist das Ziel, um möglichst den Bedürfnissen vieler der seltenen Tier- und Pflanzenarten nachzukommen.
Für Vögel ist das Gebiet ein bedeutender Lebensraum. Bei der letzten ornithologischen Kartierung 2007 wurden 71 Arten nachgewiesen, davon sind 47 Arten als sicher oder wahrscheinlich im Gebiet brütend eingestuft worden.

Leitvogelarten des Projektes sind:
Bekassine (RL 1, anwesend zur Brutzeit)
Kiebitz (RL 2, Brutvogel im Gebiet)
Großer Brachvogel (RL 1, Brutvogel bis in die 90er Jahre!)
Weißstorch (RL 3)


Im Gebiet brüten auch Blaukehlchen, Schlagschwirl und Pirol.Alle aufgeführten Arten sind in der Roten Liste für bedrohte Tierarten zu finden.
Leitarten bei den Insekten sind der Dunkle und Helle Ameisenbläuling, der Mädesüß-Perlmuttfalter und der Randring-Perlmuttfalter. Außerdem wurden Warzenbeißer, Sumpfgrashüpfer und Weißrandiger Grashüpfer und Gebänderte Prachtlibelle nachgewiesen.
Bedeutende Pflanzengesellschaften sind das Rasenseggenried, der Braunseggensumpf, die Pfeifengras-Streuwiese und das Innseggenried.

Frühere Maßnahmen
In den Jahren 2000-01 wurde das Gebiet im Rahmen eines Projektes gepflegt. Es fanden punktuell Entbuschungen statt und es wurden Seigen auf den Wildland-Flächen angelegt. Landwirte erklärten sich bereit ihre eigenen Flächen extensiv zu bewirtschaften. Bis heute gibt es noch einige landwirtschaftliche Flächen, die im Vertragsnaturschutzprogramm sind.

Maßnahmen ab 2011
Da in den vergangenen Jahren keine Projektbetreuung gegeben war, sind viele Bereiche wieder verbuscht bzw. brachgefallen. Eine Wiederaufnahme der Pflege und dauerhaften Betreuung ist dringend notwendig, um das Gebiet als Wiesenbrüterlebensraum zu fördern und die dort vorkommenden seltenen Tier- und Pflanzenarten langfristig zu erhalten und zu schützen. Zu Umweltbildungszwecken hat das Landratsamt Mühldorf eine originalgetreue Torfhütte im Gebiet aufstellen lassen. Hier sollen zukünftig vermehrt Führungen für interessierte Gruppen angeboten werden.

Das Trafohaus in Obermoosham
Das ehemalige Trafohaus wurde der Wildland-Stiftung von e-on überlassen. Im Frühjahr 2010 wurde es zu einem Fledermaus-Quartier umgebaut. Dazu bekam die Außenfassade eine Holzverkleidung, hinter der spaltenbewohnende Fledermäuse einen Unterschlupf finden. Im Innenbereich wurde eine Zwischendecke eingezogen, um eine bessere Temperaturschichtung zu erreichen und es wurden 2 größere Fledermaus-Flachkästen angebracht. Aus einem ehemaligen Fenster wurde eine kleine Einflugöffnung geschaffen, so dass nur Fledermäuse, aber keine ungebetenen Gäste in das Innere gelangen können. An der Ostseite befinden sich inzwischen auch mehrere Vogelnistkästen.
Das Trafohaus soll in naher Zukunft noch ein Insektenhotel beherbergen. Außerdem soll das Tierhotel auch für Umweltbildungszwecke zum Einsatz kommen und erhält dazu noch eine entsprechende Ausstattung mit Infotafeln und Materialien.
Das Tierhotel wird mindestens zweimal jährlich kontrolliert, um möglichst genau festzustellen, wann welche Tiere hier Quartier beziehen.

« zurück zur Übersicht